Fahrzeugalterung

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Einführung

Die Fahrzeuge sollen vorbildentsprechende Alterungsspuren haben, wie das folgende Bild eines Klappdeckelwagens zum Kalktransport zeigt:

Klappdeckelwagen mit Nutzungsspuren

Bei diesem Wagen fallen vor allem Spuren des Ladeguts auf. Hinzu kommt der übliche "Grunddreck", Flugrost im Bremsenbereich, Fett- und Ölspuren bei den Lagern, Puffern, Kupplungen und bei einem alten Wagen dürfen es auch Ausbesserungs- und Rostspuren sein. Die Wagen dürfen durchaus benutzt aussehen, sollen aber nicht so aussehen, als schafften sie nicht einmal mehr den Weg bis zur Verschrottung. Es ist zu berücksichtigen, wie viele Einsatzjahre das betreffende Fahrzeug schon hinter sich hat und für was es eingesetzt wurde. Ein offener Wagen, in dem 35 Jahre lang Kohle und Schrott transportiert wurden sieht anders aus als ein 5 Jahre alter Stückgutwagen.

Zur Alterung eignen sich die verschiedensten Farben und Techniken:

  • Wasserfarben
  • Acrylfarben
  • Farben auf Lösungsmittelbasis
  • pulverförmige Pigmente
  • geschabte Pastellkreiden
  • Pinsel
  • Airbrush

Nasspigmente

Die Nassmethode für Staub- oder Pigmentfarben eignet sich besonders dafür, Fahrzeuge und Gebäude einfach und unkompliziert zu altern. Die Stärke liegt darin, auch sehr geringe Alterungsspuren auftragen zu können, man kann damit aber auch einen Wagen kurz vor der Verschrottung darstellen.

Fertig gealterter Wagen mit der Nasspigment-Methode

Eine sehr starke Alterung ist mit vielen Methoden erreichbar, dies ist aber nicht immer realistisch. Die im Betrieb befindlichen Fahrzeuge sind teilweise recht neu, wie „aus der Schachtel“ von der Modellbahnindustrie geliefert sehen sie aber schon nach wenigen Betriebstagen nicht mehr aus. Bei Wagen, die erst kurze Zeit im Betrieb stehen, hat sich sehr schnell Bremsabrieb im Bereich der Achslager, Federn und der Bremsanlage abgesetzt und in den Ecken und Kanten des Aufbaus sammelt sich langsam aufgewirbelter Dreck.

Die Nassmethode wurde vor Jahrzehnten bei Rainer Lipp propagiert. Damals wurden die Pigmente noch mit reinem Alkohol aufgetragen, was mit den heutigen Lacken in manchen Fällen den Lack schädigen kann. Inzwischen sind die Produkte von Rainer Lipp unseres Wissens nicht mehr am Markt und damit die Methode in Vergessenheit geraten. Da sie große Vorteile gegenüber der Alterung mit der Airbrush hat, haben wir die Methode weiterentwickelt und das Lösungsmittel auf moderne Farben abgestimmt.

Passende Pigmente in modellbahntypischen Mengen sind z.B. hier zu bekommen: Pigmente bei H0fine.de. In der Zeitschrift "Modelleisenbahner" war im Heft 10/2012 dazu ein schöner Artikel.

Anwendung

Aus reichlich Lösungsmittel und einer Pinselspitze Pigment wird eine Lasur angerührt und diese auf dem Wagen verteilt.

Nasspigment auftragen

Hier wird zunächst das Untergestell mit Bremsstaub behandelt.

Pigmentauftrag trocknen lassen

Ist der Auftrag getrocknet zeigt sich der Pigmentauftrag viel zu stark.

Pigmentauftrag trocken abbürsten

Erst durch das Abbürsten mit einem harten trockenen Pinsel ergibt sich nun der gewünschte Effekt ...

Ergebnis nach dem Abbürsten

... die Alterung sitzt in den Ecken und Kanten. Je nach gewünschtem Alterungsgrad wird mehr oder weniger abgebrüstet.

Aufbringen von Rostspuren

Nun kann mit einer zweiten Farbe selektiv am Untergestell weiter gealtert werden. Hier werden dunklere Stellen mit altem Rost aufgebracht.

Fertige Rostspuren

So präsentiert sich der Achshalter wenn der alte Rost abgebürstet ist.

Alterung des Wagenkastens

Für den Aufbau wird der etwas bräunliche Bw-Schmutz verwendet. Die Lasur ist sehr dünn, wie man auf der Mischfläche erkennen kann. Lieber am Anfang mehrfach dünn auftragen, als zu viel Pigmente dann mühsam wieder abbürsten zu müssen.

Getrockneter Pigmentauftrag

Nach dem Trocknen zeigt sich das Fahrzeug zunächst relativ fleckig.

Abbürsten des Pigmentauftrages

Nun wird mit einem festen Borstenpinsel die Fläche kräftig abgestaubt und die überflüssigen Pigmente entfernt. Nun bleiben (fast) nur noch Pigmente in den Kanten, Fugen und Ritzen übrig, während die Fläche wieder relativ sauber wird.

Gealterter Wagenkasten

Wer die Fläche aber genau betrachtet und mit unbehandelten Flächen vergleicht wird feststellen, dass der Alkohol im Lösungsmittel auch einzelne Pigmente in winzige Oberflächenunebenheiten des Lacks eingebettet hat und damit die Fläche den „Schachtelglanz“ verloren hat, auch wenn man den Wagen stärker als auf dem Bild abbürstet.

Aufbringen von Ladegutspuren

Nun können noch Ladegutspuren rund um die Türe angebracht werden. Hier werden Kalkspuren mit Verwitterung Schmutz-Grau nachgebildet.

Getrocknete Ladegutspuren

Nach dem Trocknen sieht man erst wie intersiv der Farbton ist...

Abgebürstete Ladegutspuren

...doch nach dem Abbürsten sieht es dann sehr realistisch aus.

Aufbringen von Rostspuren

Weitere Alterungsspuren, dieses mal mit neuem Rost...

Fertige Rostspuren

...und nach dem Abbürsten.

Fertig gealterter Wagen

Und nun ist der Wagen fertig gealtert.

Fertig gealterter Wagen

Den Einbettungseffekt der Pigmente in den Lack kann man auch dazu einsetzen, um Lackierungen ausgeblichen darzustellen. Dazu muss die Fläche mit reichlich Verwitterung Schmutz-Grau zigfach behandelt werden. Im ersten Moment sieht es aus, als ob alles wieder abgestaubt wird, aber nach einigen Anwendungen merkt man langsam, wie weiße Pigmente eingelagert werden und der Lack „ausbleicht“.

Wer seine Fahrzeuge stärker altern möchte muss nur die Lasur dicker anrühren und die Flächen weniger intensiv abbürsten. Abbürsten muss immer sein, dadurch werden die Pigmente aus der „Umhüllung“ des Lösungsmittels befreit und die Farben kommen erst richtig zur Geltung.

Die auf der Mischunterlage fest getrockneten Pigmente können beliebig oft wieder zu Lasur angerührt werden. So geht nichts verloren und es ergeben sich quasi automatisch interessante Mischtöne. So kann man bei dezenter Alterung mit einem Pigmentdöschen wohl 200 - 400 H0-Fahrzeuge altern!

Mit einen sehr, sehr dünnen Lasur können auch Kanten betont werden und den Modellen mehr plastische Tiefe gegeben werden, z.B. bei Automodellen oder beispielsweise einem Gitterrost.

Vorteile gegenüber der Trockenbrushmethode/ Künstlerkreiden

Werden Pigmente trocken aufgetragen, so hat man an dem Punkt, wo der Pinsel auftrifft, einen großen Klecks und daneben nichts mehr. Eine gleichmäßige, dünne Verteilung über den ganzen Wagen ist trocken nicht möglich. Außerdem haften die Pigmente deutlich weniger, da die Einbindung in die Lackoberfläche durch das Lösungsmittel fehlt. Künstlerkreiden können feinst zerrieben ebenfalls mit der Nassmethode verarbeitet werden. Es ist allerdings etwas unsinnig, erst Pigmente mit einem Bindemittel zu einer Kreide zu formen und dann mit feinem Schleifpapier versuchen, wieder Pigmentpulver daraus zu machen. So fein wie Original-Pigmente werden diese nie wieder werden.

Voreile gegenüber Airbrush-Alterung

Die Nassmethode bringt ohne großen Aufwand die Alterungspigmente dahin, wo sich der Schmutz beim Vorbild auch ablagert: In Kanten, Ritzen und Vertiefungen. Vorneliegende Flächen wie Achshalter dagegen können einfach wieder (fast) abgebürstet werden. Diese Flächen sind auch im Vorbild durch vorbeistreifende Gräser und Regen recht sauber. Die Airbrush bringt den Rost auf die hervorstehenden Elemente, während die Ritzen und Vertiefungen „sauber schwarz“ bleiben – also genau umgekehrt wie in der Realität. Mit der Airbrush müsste man eigentlich zunächst den gesamten Achshalter rostig lackieren und dann die erhabenen Partien mit schwarz wieder „entaltern“.

Ein weiterer Vorteil der Nassmethode ist die unkomplizierte Anwendung mit nur zwei Pinseln und der angenehme Geruch des Lösungsmittels durch das zur Entspannung eingesetzte „Odol“. Es entfällt der Lösungsmittelgestank und das lästige Reinigen der Spritzpistole.

Fixierung

Die mit der Nassmethode verarbeitete Pigmente sind nicht absolut grifffest, aber haben eine festere Anhaftung als man denkt. Man kann den Wagen mit einem Mattlacküberzug absolut grifffest machen, allerdings wirken solchermaßen behandelte Wagen durch den einheitlichen stumpfen Glanz wenig vorbildlich und steril. Die Dimension, unterschiedlicher Glanzgrad einer Fahrzeugalterung, geht verloren. Das Spiel zwischen großen, fast sauberen Flächen mit höherem Glanz und den stumpfen Rostecken fehlt. Wir raten, auf großflächige Mattlackfixierungen zu verzichten.

Da die Pigmente bei der Alterung mit der Nassmethode sich hauptsächlich in Kanten, Ritzen und Vertiefungen befinden, kann man diese Stellen kaum mit den Fingerflächen erreichen. Nur im Türbereich greift sich die Alterung im Lauf der Zeit leicht ab wenn die Wagen, wie beim FREMO üblich, nach jedem Umlauf vom Arrangement genommen werden und wieder neu disponiert werden. Aber auch bei diesen Wagen reicht es, alle 1-2 Jahre den Türbereich etwas nachzualtern.

Fahrzeugdächer

Es gibt Flächen, die sind so glatt, dass auch der Alkohol im Lösungsmittel keine Anhaftungen der Pigmente erreichen kann. Dies ist insbesondere bei Fahrzeugdächern oder Modellautos der Fall. Hier kann ein dünner Auftrag mit der Spritzpistole (Grau-, Schwarz- oder Mattlack), Fixativ oder auch Haarspray für die nötige Rauheit der Oberflächen sorgen.