Gebäudebausatz aus Resin

Aus Kleinbahnwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Navigation: Bauberichte Gebäudebau

Ausführliche Darstellung, wie ein Gebäudebausatz aus Resin zusammengebaut wird - von den einzelnen Platten bis zum fertig bemalten Modell. Dabei fließen auch einige Verbesserungen und Modifikationen mit ein.

Das ist keine Bauanleitung und auch nicht alles in chronologischer Reihenfolge - zeigt aber alle Schritte, um von einem Bausatz zu einem fertigen Gebäude zu kommen.

Einführung

"Resin" kann man ungefähr mit "Gießharz" übersetzen. Bausätze aus diesem Material werden durch Ausgießen von Silikonformen mit Gießharz erstellt. Die Silikonformen wiederum entstehen durch Abguss von einem Urmodell.

Hier gezeigt wird der Zusammenbau, mitsamt einiger Modifikationen, des Bausatzes #1-35 "Gasthaus" von Müllers Bruchbuden.

Erster Schritt

RTFM[1]!

Und dann Auspacken - hier die Hauptteile:

Wandteile ausgelegt

Teile richten

Es kann vorkommen, dass manche Teile, z.B. Gebäudewände, nicht völlig plan sind. Das kann leicht auf einer ebenen Fläche geprüft werden:

Wandteil prüfen, ob es plan ist

Sollte das Bauteil verzogen sein, dann ist das nicht weiter schlimm und kann leicht gerichtet werden. Dazu werden die Teile in heißes Wasser gelegt - so, dass man gerade noch hineinfassen kann. Die durchgewärmten Teile werden dann biegsam; am besten lässt man sie dann plan unter einer Beschwerung wieder abkühlen - kaltes Wasser hilft auch und beschleunigt das.

Teile versäubern

An den Rändern der Gussteile hat es häufig überstehendes Material, das entfernt werden muss. Hierzu eignen sich verschiedene Feilen ganz gut. Und bei der Gelegenheit können auch gleich die künftigen Klebekanten aufgeraut werden.

Versäubern von Resin-Teilen

Stäube sind generell nicht gesundheitsförderlich, zu Resinstaub gibt es Diskussionen mit den unterschiedlichsten Standpunkten; am besten also: Maske auf (derzeit [2] ja eh kein Thema). Das Versäubern betrifft natürlich nicht nur die Außenkanten, sondern alles - z.B. auch die Fensteröffnungen.

Versäubern von Resin-Teilen

Bei den Fenstern macht das so richtig Spaß:

Fenster versäubern

Links ein Fenster wie es als Gussteil ankommt, rechts so einigermaßen versäubert - die Makroaufnahme zeigt, das genügt noch nicht.

Teile modifizieren

Wenn Veränderungen am Bausatz gewünscht sind, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt!

Außenlicht

Ein Außenlicht über der Haustüre ist hier fest angegossen:

Angegossenes Außenlicht

Dieses wird entfernt, hier soll später eine beleuchtete Lampe angebracht werden. Im Moment genügt es, das angegossene Bebbale[3] abzuschaben. Ein Befestigungsloch für die engültige Lampe ist auch noch nach der Bemalung schnell gebohrt.

Angegossenes Außenlicht wird abgeschabt

Zusätzliche Türe

Ein Gebäude dieser Größe, zumal ein Gasthaus, hat sicher mehr als eine Türe, z.B. auch als Zugang zu den Lagerkellern; diese Türe wurde daher ergänzt. Nach dem Anzeichnen der erforderlichen Öffnung wird diese ausgesägt - etwas knapper als nötig, der Rest wird mit der Feile angepasst.

Türöffnung aussägen

Türöffnung ausgesägt

Das kann natürlich auf keinen Fall so bleiben, weil es beim Vorbild statisch nicht funktionieren würde: Die Türe braucht einen Sturz und der muss auch von etwas getragen werden, gleichzeitig ist das Mauerwerk seitlich einzufangen. Also wird die Öffnung noch ein bisschen größer.

Als Sturz und Stützen wird dann PS-Profil eingeklebt:

Türöffnung fertig

Eine Türschwelle wurde auch noch ergänzt, das Türblatt wird später aus Echtholz ergänzt. Der Sturz über dem kleinen Fenster ist nur angedeutet, den Rest macht später die Farbgebung.

Schornstein

Der Schornstein ist ein massives Resinteil, sprich, der Schornstein hat keine Öffnung. Das gefällt mir nicht. Daher habe ich den Schornstein von oben innen aufgebohrt, so etwa einen Zentimeter tief, dass das wirklich nach Rohr aussieht. Nach der Bemalung wird man nicht mehr sehen, dass es nur ein Sackloch ist.

Dachdetails

Dachteile

Das gefällt mir nicht: Links zu sehen ist die Regenrinne - einfach nur angegossen, das passt so nicht. Diese wird entfernt und durch ein gesondert angesetztes Teil ersetzt. Dieses Bauteil von Auhagen ist einigermaßen brauchbar, auch wenn die Wandstärke natürlich viel zu dick ist:

Regenrinne von Auhagen

Also: angegossene Dachrinne abfeilen, Gehrung feilen, damit später die Dachrinne so einigermaßen horizontal sitzt, Dachrinne versäubern, Löcher für die Fallrohre bohren, aufrauen für die Grundierung später, entfetten - und mit Sekundenkleber ankleben:

Regenrinne von Auhagen ankleben

Der Karton als Unterlage dient als Lehre, damit die Dachrinne gerade sitzt und gut angedrückt werden kann. Der Länge wegen müssen zwei Dachrinnenteile verwendet werden. Der Kunststoff ist ziemlich elastisch, mit etwas Geschick kann man ihn aber dennoch brechen - und schon hat man drei Teile. :-)

Das folgende Bild zeigt den Sinn der Aktion: Links eine Dachhälfte mit der ursprünglichen, angegossenen Dachrinne; gut gemeint, aber nicht gelungen, die Dachrinne würde völlig trocken bleiben, das Wasser darüber hinaus schießen. Rechts wurde das abgefeilt und die Auhagen-Rinne angeklebt, die nun wirklich Wasser aufnehmen kann:

Regenrinne von Auhagen im Vergleich zum Ursprungszustand

Die beiden Dachflächen sind damit fertig, nun zu den Krüppeln. Hier ist ein Krüppel einmal provisorisch eingepasst:

Krüppelprobleme

Was fällt auf?

  1. Firstziegel fehlen: Das ist kein Problem, diese liegen als gesondertes Gussteil bei und werden nachträglich aufgeklebt.
  2. Wand zu kurz: Dazu weiter unten mehr.
  3. Dachrinne fehlt: Diese fehlt wirklich völlig, dafür ist eine Lösung erforderlich, damit das abfließende Wasser auf die Dachflächen zur Seite abgeleitt wird.

Nachdem die Krüppel eingeklebt wurden kommen deren Firstziegel an die Reihe. Zunächst kleine Anpassungen per Feile, dann Einkleben mit Ruderer L530; der Überstand wird zum Schluss abgezwickt:

Ergänzen der Firstziegel beim Krüppel

Die fehlende Dachrinne für die beiden Krüppel wird mit Auhagen-Dachrinnen ergänzt, die Krüppel wurden vor dem Einkleben schon entsprechend befeilt. Zunächst wird die Dachrinne am Krüppel festgeklebt, danach die kleine Stückchen um die Ecke. Damit wird das ablaufende Wasser von den Krüppeln umgeleitet auf die beiden großen Dachflächen:

Regenrinne beim Krüppel ergänzt

Zu den Regenrinnen gehören auch Fallrohre, auch wenn diese erst montiert werden, nachdem die Gebäudekanten verspachtelt und geschliffen sind. Die Bauanleitung schlägt das Ankleben eines zurechtgebogenen Drahtes an die Wand vor. An Stelle eines dicken Drahtes, der schwer zu verarbeiten ist, habe ich einen PS-Rundstab verwendet, damit arbeitet es sich sehr viel einfacher. Direkt an die Wand kleben gefällt mir nicht, das Rohr soll mit Schellen gehalten werden. Dazu werden zunächst Löcher durch die Wand gebohrt:

Loch bohren für Fallrohr-Schelle

Durch jedes Loch wird eine Drahtschlaufe gesteckt, das bereits passend gebogene Fallrohr durchgefädelt:

Fallrohr montieren

Die Drahtschlaufen werden dann von innen mit einer Zange zugezogen, die Drähte verdrillt, verklebt und abgezwickt. Oben wird das Fallrohr in das passend gemachte Loch der Regenrinne geführt und dort verklebt:

Fallrohr montiert

Außentreppe

Hier ein bislang unbekanntes Kunstwerk eines Künstlers, der durch Arbeiten mit Fett berühmt geworden ist:

Buttertreppe

Es heißt "Fetttreppe" und symbolisiert, wie schmierig der Weg nach oben sein kann.


Nee - Quatsch. Es ist die Treppe vor dem Eingang als Resinteil. Und das ist alles dazu. Es fällt sofort auf - jedwedes Geländer fehlt. Das mag bei den beiden Treppen vielleicht gerade noch durchgehen bei den Unfallverhütungsvorschriften von 1955 (vielleicht kompensiert durch einen Handlauf an der Hauswand), aber beim Podest oben sicher nicht; jeder Zecher, der um Mitternacht strack aus der Türe schwankte wäre doch sofort auf der Straße gelegen.

Um sinnvoll ein Geländer befestigen zu können wurde zunächst die Vorderseite plan gefeilt und eine PS-Platte aufgedoppelt, um mehr Material für Geländerstützen zu bekommen. Als Geländer kommt ein Stück Schiffsreling zum Einsatz:

Außentreppe und Geländer

Das Geländer wird gründlich entfettet und brüniert:

Geländer brünieren

Hier der Vergleich vorher - nachher:

Geländer brüniert - vorher/nachher

Man sieht, die Brünierung ist nicht für (Edel-)Stahl geeignet; mal schauen, was ich draus mache.

Die Löcher für das Geländer werden schon mal gebohrt, die Treppe aber erst ganz zum Schluss eingeklebt:

Stellprobe Außentreppe mit Geländer

Das Geländer ist hier noch nicht brüniert. Für die rechte Treppe wird noch ein Handlauf am Gebäude befestigt, der passt unter dem Fensterladen gut vorbei. Die Löcher dafür werden schonmal gebohrt, der Handlauf folgt dann erst nach Bemalung des Gebäudes.

Teile verkleben

Zu verklebende Teile werden vorteilhaft leicht aufgeraut und auf jeden Fall entfettet. Für große und wichtige Verbindungen, z.B. zwischen zwei Gebäudeseitenwänden, nehme ich bevorzugt einen Zweikomponentenkleber. Kleinteile können auch mit Sekundenkleber geklebt werden. (Mit anderen Klebstoffen wird man eher erfolglos bleiben.) Bereits beim Zusammenkleben berücksichtige ich, dass das Gebäude später abnehmbar sein soll - siehe dazu weiter unten mehr.

Wichtig ist, dass die Gebäudeteile exakt rechtwinklig zueinander verklebt werden; frei Hand geht das eher schlecht, bei einem Kleber, der etliche Minuten bis zum Abbinden braucht, erst recht. Sehr hilfreich ist daher eine Konstruktion, in und mit der man die Teile in aller Ruhe genau ausrichten kann - und dann den Kleber in Ruhe aufbringen und härten lassen. Ist diese Konstruktion aus Eisen oder Stahl, dann kann man die Teile temporär mit Neodym-Magneten fixieren - sehr praktisch. Für diesen Zweck wurden ausreichend viele Würfelmagnete mit einer Kantenlänge von 1 cm beschafft. So klein sie sind - die Haftkraft ist ungefähr 3,8 kg (ja, ich weiß, physikalisch falsch, das müsste eine Angabe in Newton sein ...) und damit für den beabsichtigten Zweck genau richtig und gleichzeitig so stark, dass man sich schon Gedanken über die Aufbewahrung [4] machen muss; zwei Magnete zu trennen ist gar nicht so einfach.

1-2-3 Blöcke rechtwinklig verschraubt

Auf einer planen Grundplatte aus Stahl steht ein Paar 1-2-3-Blöcke (ursprünglich stand das für 1-Zoll, 2-Zoll, 3-Zoll als Außenabmessungen, diese hier sind aber eine metrische Adaption) ebenfalls aus Stahl. Sie sind absolut rechtwinklig miteinander verschraubt. Die Wandelemente können daran mit Magneten fixiert werden. In aller Ruhe werden die Wandelemente sauber ausgerichtet und mit Magneten in ihrer Position fixiert:

Positioniert zum Kleben

Dann kann in Ruhe geklebt werden: 2K-Kleber anrühren, auftragen, warten auf dessen Abbinden - die Wände bleiben problemlos exakt ausgerichtet in Position, bis der Kleber ausgehärtet ist. Zur Erhöhung der Stabilität wird nicht auf die mehr oder weniger gute Gehrung geklebt, sondern es werden Winkelprofile eingeklebt, das erhöht die Klebeflächen und damit die Stabilität enorm. Der Kleber wird einfach nur auf das Winkelprofil aufgetragen, dieses wird eingesetzt, fertig - nur noch warten:

Kleben

Bei den anderen drei Klebestellen wird analog vorgegangen, das Ergebnis ist dann:

Alle vier Wände sind geklebt

Interessant wird es nun beim Dach: Zunächst einmal müssen die beiden Dachhälften an der Firstkante so befeilt werden, dass sie absolut sauber sitzen und passen, damit die Firstziegelreihe in Ordnung ist. Nicht sinnvoll erscheint mir, beim Dach alles gleichzeitig kleben zu wollen - also auf alle vier Wände und am First gleichzeitig. Daher habe ich mich dazu entschieden, zunächst nur die Klebenaht am First auszuführen, damit das gut wird - es ist ja später auch sehr im Blick. Damit der Winkel exakt stimmt, ist eine Lehre erforderlich - dazu bietet sich das Gebäude selbst perfekt an: 2K-Kleber auftragen, auf die Wände setzen, sauber ausrichten und festhalten, bis der Kleber zieht. Dann habe ich noch mit etwas Sekundenkleber von der Außenseite nachgeholfen.

Firstnaht kleben

Damit diese Naht bei den weiteren Arbeiten an diesem Krüppelwalmdach nicht leidet, wird noch eine Verstärkung quer eingeklebt: (Ich hätte natürlich auch erst die Anleitung lesen können und die mitgelieferten Dreiecke einkleben können.)

Verstärkung einkleben

Nein, einen Preis für die schönste 2K-Klebenaht will ich gar nicht! (Das Zeug verarbeitet sich wie - sorry - Rotz.)

Nun kann ohne Sorgen weitergearbeitet werden, denn es müssen noch die beiden Krüppel eingepasst und eingeklebt werden. Sie müssen perfekt zu den Dachseiten passen und zur Hauswand - dann erst kann geklebt werden. Sie passen am besten, wenn die Klebekanten auf Gehrung gefeilt werden. Herumprobieren hat gezeigt, dass es wohl besser ist, zuerst das Dach auf die Wände zu kleben und danach die Krüppel einzukleben. Beim Dach Aufkleben muss darauf geachtet werden, dass es überall möglichst genau gleich viel Überstand hat; möglicherweise muss das Rechteck der Wände dazu etwas zurechtgedrückt werden. Das geht wieder gut mit Magneten:

Gebäude ausrichten

Nun wird nochmal genau geprüft, ob das Dach korrekt sitzt, letzte Korrekturen mit der Feile können angebracht werden. Dann werden alle Klebekanten entfettet, mit 2K-Kleber eingestrichen, das Dach aufgesetzt und beschwert:

Dach aufkleben

Nachdem die Hauptdachflächen festgeklebt sind, geht es an die beiden Krüppel. Sie werden zunächst einmal provisorisch aufgelegt, um zu sehen, wo vielleicht noch mit der Feile nachgearbeitet werden muss. Unangenehm fällt allerdings auf, dass die Stirnwände des Gebäudes zu niedrig sind, die Krüppel liegen dort gar nicht auf:

Wand zu niedrig

Das kann so nicht bleiben. Daher wird ein PS-Rechteckprofil passend zurechtgeschnitten und -gefeilt, um diese Lücke zu füllen - und dann mit Sekundenkleber eingeklebt:

Wanderhöhung

Nun können die beiden Krüppel ohne weitere Probleme eingeklebt werden. Als Nächstes müssen dann die Firstziegel dort ergänzt werden und die Regenrinne - das wird näher beschrieben unter Dachdetails.

Lücken spachteln

An manchen Stoßstellen verbleiben mitunter Spalte, z.B. an den Gebäudeecken - die man auch nach dem Lackieren noch sehen würde. Hier wird alles, was nicht sein soll, mit Modellbauspachtel verspachtelt und verschliffen, bis die Oberfläche einwandfrei ist. Genau so wird auch vorgegangen, sollte es kleine Löcher auf Grund von Luftblasen beim Gießen des Resins geben.

Spachtel aufgetragen

Beim anschließenden Verschleifen wird auch sonst alles geglättet, was nicht gut aussieht, irgendwelche Klebereste z.B.; es lohnt sich, hier wirklich genau vorzugehen und alles im Detail mit der Lupenbrille zu untersuchen.

Grundieren

Große glatte Teile sollten leicht aufgeraut werden, geschickterweise macht man dies bereits vor dem Zusammenbau. Vor der Grundierung steht ein gründliches Entfetten an, danach wird das Bauteil nur noch mit Handschuhen angefasst. Ein warmes Schaumbad (mit Spülmittel) hilft - und darin Abbürsten mit einem mittelharten Pinsel; auch anschließendes Abreiben mit Alkohol kann nicht schaden - einfach alles, was Fettspuren entfernen kann. Nur Aceton ist nicht geeignet, weil die PS-Teile davon angelöst würden.

Schaumbad

Als Grundierung verwende ich gerne die Acrylgrundierung von Tamiya, grau oder weiß ist hier sinnvoll. Wie üblich - mindestens zwei Minuten gut durchschütteln und nur eine dünne Lage sprühen, ggf. wiederholen. Hier das fertig grundierte Gebäude, die Sprühdose, ein Handschuh für das Handling und eine Atemmaske, nicht wegen Corona, sondern wegen der Sprühnebel:

Frisch grundiert

Staub- und grifffest ist die Grundierung bereits nach wenigen Minuten, ein Durchtrocknen benötigt aber deutlich länger - daher arbeite ich nach frühestens 24 h weiter, erst dann sitzt die Grundierung wirklich fest auf der Oberfläche.

Bei den Fenstern bietet sich eine weiße Grundierung an, die dann auch gleichzeitig als Farbgebung genügt. Dazu werden die Fenster auf einen schmalen Streifen Doppelklebeband gesetzt, um sie zu fixieren:

Gebäude bemalen

Für die Bemalung verwende ich ebenfalls Acrylfarben. Dieses Gebäude ist die erste Adresse im Ort und zieht Besucher aus nah und fern an:

Moulin Rouge

Oder so:

Begonnen habe ich mit dem Dach:

Dachbemalung

Der erste Farbauftrag war Burnt Sienna - Acrylfarbe aus der Tube und verdünnt. Das war nicht deckend, was nicht so schlimm ist. Störender war schon, dass die Farbe in den Vertiefungen saß und dort ziemlich deckend war, die Erhöhungen waren fast farbfrei und die graue Grundierung zu sehen - nicht gut. Diese erste Schicht war noch nicht trocken, da bin ich mit unverdünnter Farbe und einem Borstenpinsel tupfend erneut ans Werk gegangen, damit auch die Erhöhungen Farbe abbekommen. Meist war es Burnt Umber, ab und zu mal etwas Burnt Sienna und auch Raw Umber. Für die Ablaufspur unterhalb des Schornsteins kam noch wenig Schwarz mit hinzu, für die Flecken (Moos, Flechten) ganz wenig grün.

Ein Weathering mit Washes fehlt noch und auch eine Schicht Mattlack, um den Glanz zu nehmen - aber das kommt erst ganz am Schluss, erstmal weiter zu den Wänden:

Bemalen der Wände

So sieht das Gebäude nach dem ersten Farbauftrag mit Buff Titanium aus. Die Acrylfarbe wurde bewusst verdünnt aufgetragen, um die feine Putzstruktur nicht zuzukleistern - dafür deckt die Farbe nicht richtig. Die dünne Farbe ist vor allem in die Vertiefungen gelaufen, die erhabenen Stellen sind noch grau von der Grundierung. Lektion gelernt: künftig eine weiße Grundierung verwenden! Erforderlich war daher ein zweiter Farbauftrag mit fast unverdünnter Farbe. Um die Putzstruktur zu erhalten wurde die Farbe nicht mit dem Pinsel aufgetragen, sondern mit einem Stückchen Schaumstoff aufgetupft:

Bemalen der Wände

Der nächste Schritt war es, die glatten Wandteile farblich abzusetzen:

Bemalen der Wände

Das ist kräftiger ausgefallen als erwartet, der Kontrast ist etwas zu hoch. Abhilfe ist jedoch nicht schwer: Alle Wände wurden einfach noch einmal mit der ursprünglichen Wandfarbe, diesmal aber stark verdünnt und damit lasierend wirkend, übermalt. Das mindert den Kontrast, gleicht die Wandflächen farblich einander an und ist quasi schon ein erster Weathering-Schritt:

Bemalen der Wände

Nun geht es an die Fenster- und Türeinfassungen; diese werden mit einem sehr feinen Pinsel mit einem hellen Grau XF-14 von Tamiya abgesetzt. Das ist eine ziemliche Geduldsarbeit mit einem Pinsel der Größe 00. Weiter geht's mit den Fensterläden mit Tamiya XF-5 - auch hier wieder: Ruhige Hand, viel Geduld:

Bemalen der Wände

Die Farbe muss dazu auf die richtige Konsistenz eingestellt werden: Zu dick verkleistert sie alles, zu dünn deckt sie nicht richtig. Es ist erstaunlich, wie schnell die Farbe während der Arbeit eindickt und immer wieder neu verdünnt werden muss.

Die Fensterläden bekommen gleich etwas Weathering mit einem sehr dunklen Wash, um ihnen etwas Tiefe und Struktur zu geben:

Verwittern der Fensterläden

Vorletzter Schritt der Bemalung sind die Dachrinnen und Fallrohre - das hat Nerven gekostet! Die Grundfarbe ist Vallejo Negro Metal 71.073 Black:

Regenrinne bemalt

Im nächsten Schritt wird das dann gleich gealtert mit Vallejo Oxido 71.069 Rust:

Fallrohr verwittert

Der Glanz wird noch verschwinden, wenn nach Abschluss der Bemalung und Alterung eine Schicht Mattlack darüber kommt. Übrigens, der Rahmen des Dachfensters wurde bei der Gelegenheit genau gleich wie die Regenrinnen farblich behandelt. Anschließend konnte dort die Fensterscheibe eingeklebt werden:

Dachfenster

Bei diesem Fenster macht es gar nichts, wenn das nicht mehr richtig transparent ist, sondern stumpf und matt - das wird ja auch nie geputzt!

Jetzt muss nur noch der Schornstein bemalt werden, gleich eingesaut und innen schwarz gestrichen, dann ist die Bemalung mal soweit fertig. Man sieht hier schön, dass es sich gelohnt hat, das massive Schornsteingussteil von oben mit einer Bohrung zu versehen, dass es wirklich nach Rohr aussieht:

Schornstein

Das Gasthaus bekommt noch einen Namen:

Gasthausname

Zunächst habe ich das am Computer an einem Foto ausprobiert, welche Schrift und Größe stimmig wirken. Danach wurde der Text in Gimp erstellt und mit den dortigen Möglichkeiten auch gleich gealtert, also unregelmäßig aufgehellt und radiert, es ist ja keine nagelneue Anschrift. Der Ausdruck erfolgte per Laserdrucker auf Decalfolie. Der Untergrund wurde dick mit MikroMark Setter eingepinselt, dann das zugeschnittene Decal 30 s in Wasser eingeweicht. Die ersten beiden Versuche gingen schief, erst das dritte Decal habe ich sauber übertragen können; es ist gar nicht so einfach, ein so langes und schmales Decal sauber aufzubringen. Da die Wand aufgrund der Putzstruktur recht uneben ist darf nun an MikroMark Softer nicht gespart werden - also reichlich drauf damit! Nun wird mit einem weichen Pinsel das Decal vorsichtig in den Putz gedrückt, gestupft, getupft. Danach nochmal reichlich Softer und wieder mit dem Pinsel drüber. Nach etwas Warten zeigt genaues Betrachten schon das Ergebnis, nämlich dass das Decal der Putzstruktur folgt und der Rand bereits jetzt schon fast nicht mehr zu sehen ist.

Gasthausname

Richtig gut ist das Ergebnis erst nach dem Trocknen, da schmiegt sich die Folie dann glatt an die Oberfläche - daher wird das nun erstmal 24 h in Ruhe gelassen. Danach folgt eine dünne Schicht Mattlack, um das Decal vor Feuchtigkeit zu schützen bei den nachfolgenden Schritten, gleichzeitig verschwinden bereits jetzt schon die Ränder:

Gasthausname

Nun kommt das Weathering. Hierzu bevorzuge ich wasserlösliche Farben, um Korrekturmöglichkeiten zu haben. Viel Wasser und ganz wenig Gouache-Farbtöne dunkelbraun und schwarz werden solange herumgepanscht, bis das Ergebnis passt.

Gasthaus altern

Und wenn es nach dem Trocknen nicht gut aussieht - einfach wieder nass machen und weiterarbeiten, alles kein Problem. Das Endergebnis wird dann mit Bergswerk-Acryl-Mattlack aus der Airbrush fixiert, gleichzeitig wird damit allen Oberflächen eventuell vorhandener Glanz genommen:

Gasthaus gemattlackt

Zum Schluss werden noch die Fenster eingepasst, eingesetzt und verklebt; das erfolgt ganz zum Schluss, damit der Mattlack die Scheiben nicht blind macht.

Befestigung

Ich möchte Gebäude immer abnehmbar haben, falls einmal etwas zu reparieren oder ergänzen ist. Für jedes Gebäude wird auf dem Modul eine genau passende Aufnahme vorgesehen, z.B. in Form eines Sockels oder Fundamentes. Jedes Gebäude bekommt je nach Größe ein bis vier Haltestäbe eingeleimt, die durch passende Bohrungen im Modul geführt und dann von unten fixiert werden.

Beleuchtung

Die Gebäude sollen innen wie außen beleuchtet sein, wo dies sinnvoll ist. Selbstverständlich kommen dazu nur LED in warmweiß in Frage. Damit auf keinen Fall etwas durch die Wände schimmert bekommen die Gebäude eine Innenauskleidung aus schwarzer Pappe. Diese ist am einfachsten herzustellen, wenn schon vor dem Verkleben die einzelnen Wandteile auf die Pappe gelegt werden und alle Konturen nachgezeichnet werden.

Karton für Innenauskleidung

Die Außenkanten sind mit der Schere schnell zugeschnitten, für die Fenster nimmt man besser ein Stahllineal und einen Cutter:

Karton für Innenauskleidung: Fenster ausschneiden

Daraus kann dann - nach etwas Anpassungsarbeiten im Detail - die Innenauskleidung gebaut werden, hier noch ohne Dach, aber das macht ja keine Mühe:

Karton für Innenauskleidung: fertig geklebt

Fazit

Das waren nun doch einige Schritte bis zum Schluss, aber die Arbeiten sind ja auch nicht ohne:

  1. Eine Türe und ein Fenster wurden ergänzt.
  2. Die Stirnwände waren zu niedrig.
  3. Die angegossenen Dachrinnen wurden ersetzt.
  4. Bei den Krüppeln fehlten die Dachrinnen völlig.
  5. Der Schornstein war nicht hohl.
  6. Die Außentreppe brauchte ein Geländer.
  7. Die Fallrohre brauchten Rohrschellen.
  8. Eine Beleuchtung wurde ergänzt.

Dazu kommen weitere Details wie viele Fenster, die Dachform, usw. Man muss ja nicht gleich als ersten Resin-Bausatz auf diesem Niveau einsteigen, eine Scheune mit vier Seitenwänden und einem Dach, ohne Fenster, ist natürlich deutlich einfacher zu bauen.


Fußnoten

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/RTFM
  2. Oktober 2020: Die Welt schlägt sich mit Covid-19 herum.
  3. http://www.schwaebisches-woerterbuch.de/default.asp?q=Bebbale
  4. Ohne Abstandshalter zwischen den einzelnen Magneten wird es wirklich mühsam:
    Magnetaufbewahrung
    Und so kann man sie leichter von einer Oberfläche lösen:
    Magnethandling

(ARit)